Seit Sommer dieses Jahres ist Jens Eisert Professor für Quanteninformationstheorie an der Universität Potsdam. Bereits seit 1998 arbeitet er mit einigen Unterbrechungen hier. Und das sehr erfolgreich. So wurde er unter anderem 2004 mit dem European Young Investigator Award (EURYI) ausgezeichnet, der mit 1,25 Millionen Euro dotiert ist. 2005 ging er als Lecturer an das Imperial College London. Trotz anderer Angebote hat er sich nun wieder für die Universität Potsdam entschieden.

"Es war toll, ich war gerne hier, habe viel gelernt, wurde großartig unterstützt, und es war sehr erfolgreich für mich." Dies sagt Jens Eisert über seine Zeit als Juniorprofessor an der Universität Potsdam. Deshalb ist er auch wieder hergekommen und hat trotz mehrerer anderer Angebote im Sommer dieses Jahres die Professur für Quanteninformationstheorie angenommen. Er ist begeistert davon, dass in "seinem" Institut alle an einem Strang ziehen. "Es gibt kurze Wege und alle versuchen, aus den gegebenen Ressourcen das Beste zu machen." Erfolgreich zu sein, erfordert auch hier harte Arbeit. Hart, weil "man lehrt, forscht und vieles andere parallel dazu machen muss". Dass der Wissenschaftler überdurchschnittliche Leistungen vollbringt, zeigt nicht zuletzt, dass er 2004 als einer von 25 Nachwuchswissenschaftlern mit dem European Young Investigator Award (EURYI) geehrt wurde. Die 1,25 Millionen Euro Preisgeld nutzte er für seine Forschungen auf dem Gebiet der Quantentheorie.
Nach der Entscheidung, den Weg eines Wissenschaftlers einzuschlagen, ging Jens Eisert zielstrebig voran. 1970 in Ludwigshafen geboren, studierte er Physik in Freiburg und an der amerikanischen University Connecticut. Bereits seine Promotion 2001 an der Universität Potsdam über "Verschränkung in der Quanteninformationstheorie" war herausragend. Er erhielt dafür den Michelson-Preis der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Ab 2005 forschte er in England am Imperial College London. Und jetzt hat er sich wieder für Potsdam entschieden.
Lust am Ungeklärten
Im Berliner Umfeld findet er "relativ viele Institute und ein paar Leute, die wirklich gut sind und mit denen ich gerne zusammen arbeite". Ihm sei es wichtig, gute Leute anlocken und einen eigenen Bereich aufbauen zu können, betont Eisert. Dabei kommt ihm zugute, dass er Denkrichtungen wechseln kann. So beobachtet er relativ breit das aktuelle Forschungsgeschehen und schaut genau hin, wo sich neue Forschungsfragen auftun. "Ich versuche, mich nicht zu sehr auf Dinge zu versteifen, die ich vorher gedacht habe. Ich bin bereit umzudenken." In der Vergangenheit forschte er vor allem auf dem Gebiet der Quanteninformation, arbeitet jetzt aber zunehmend über komplexe Quantensysteme. Das sind Systeme, bei denen viele Komponenten, wie Atome oder Elektronen, mit ihren Nachbarn wechselwirken. "Es liegt vieles in der Luft, was völlig ungeklärt ist. Ich habe Lust, mich da reinzustürzen." Das Spezifische der Arbeit von Jens Eisert und seinem Team ist es, relativ mathematisch, aber immer mit dem Blick für das Pragmatische zu forschen. "Zu unserem Markenzeichen gehört, schnell auf offene Fragen zu reagieren und mit unseren Methoden zu Lösungen beizutragen."

Sternstunden für Physiker
Zu den "alten" Fragen der Physik gehört jene nach dem Entstehen von Gleichgewichtszuständen. Aufgrund aktueller Experimente in der Quantenmechanik erlangte dieses Problem in den letzten Jahren wieder größere Aufmerksamkeit. Jens Eisert hat gemeinsam mit anderen dazu ein viel beachtetes Projekt entwickelt. "Wir stellen die Frage nach dem physikalischen Prozess, der insbesondere Teilchen, die mit ihren Nachbarn wechselwirken, langsam in ihr Gleichgewicht bringt". Die Wissenschaftler zeigen mit fortgeschrittenen mathematischen Methoden, wie Teile von zusammengesetzten Systemen tatsächlich nach und nach ihr Gleichgewicht finden. Führende Experimentalphysiker auf dem Gebiet der kalten Atome und optischen Gitter interessieren sich nun für diese Arbeiten. "Solche Sternstunden gibt es, weil wir bereit sind, über Barrieren hinaus zu denken", sagt Eisert. Dafür ist er ständig in Bewegung: Heute Leiden, übermorgen Prag und dann wieder Potsdam, Aachen, Santa Barbara, Oxford, Cambridge, Tokio… So entstanden auch vier Europanetzwerke mit einer Fördersumme von insgesamt einer Million Euro, die er nach Potsdam bringt.
Der Physiker möchte sein Team auch in Zukunft nicht zu groß werden lassen, denn er will nicht nur managen, sondern selbst den physikalischen Dingen auf den Grund gehen und Impulse geben können. Für ihn macht der Beruf des Wissenschaftlers nicht aus Karriere- oder Gehaltsgründen Sinn, vielmehr will er Strukturen verstehen, lebenslang Neues lernen und unabhängig arbeiten. Und dann hat er noch einen ganz anderen Plan: Er will ein lustiges, selbst gezeichnetes und geschriebenes Naturwissenschaftsbuch für Kinder herausgeben, "was heimlich für Erwachsene ist".